Rund 400 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und der regionalen Gründungsszene versammelten sich am 1. Juni 2026 im Krönungssaal des Aachener Rathauses. Anlass war das Finale des AC²-Wettbewerbs 2026.
Im Mittelpunkt standen sechs Gründungsteams, die mit innovativen Geschäftsmodellen und überzeugenden Präsentationen die Jury für sich gewinnen konnten. Die Preisverleihung bildete den Abschluss von sechs Monaten intensiver Arbeit, Konzeptentwicklung und unternehmerischem Engagement.
AC² stärkt Gründung und Wachstum in der Region
Die GründerRegion Aachen versteht AC² nicht als klassischen Wettbewerb. Vielmehr verbindet das Programm Beratung, Mentoring, Netzwerk und öffentliche Sichtbarkeit.
Seit mehr als 22 Jahren begleitet AC² Menschen auf dem Weg von der ersten Geschäftsidee bis zur Weiterentwicklung eines Unternehmens. Die aktuelle Wettbewerbsrunde unterstrich erneut, wie viel Potenzial in der Region Aachen, der StädteRegion Aachen sowie den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg vorhanden ist.
Für den Wettbewerb 2026 gingen 239 Anmeldungen mit insgesamt 163 Projekten ein. 115 aktive Berater:innen unterstützten die Teilnehmer:innen. Damit wurden die zweithöchsten Anmeldezahlen in der mehr als 22-jährigen Geschichte des Wettbewerbs erreicht.
Neues Auswahlverfahren für die besten Projekte
In der Wettbewerbsrunde 2026 wurde erstmals ein dreistufiges Auswahlverfahren eingesetzt. Gutachter:innen, eine Vorjury und die Hauptjury arbeiteten zusammen, um aus 70 Einreichungen die jeweils sechs besten Beiträge pro Kategorie zu bestimmen.
Die Finalist:innen präsentierten ihre Vorhaben anschließend in kurzen Videos und vor dem Publikum. Das Ergebnis war ein stark besetztes Finale mit Geschäftsideen aus den Bereichen Technologie, Gesundheit, Bildung, Familie, digitale Barrierefreiheit und Unterhaltung.
Die Gewinner:innen des AC²-Wettbewerbs 2026
AC² Businessplan
1. Platz: Arcane Gossip GmbH aus Aachen
Den ersten Platz in der Kategorie AC² Businessplan belegten Sophia Schüller und Frederik Erkelenz mit der Arcane Gossip GmbH.
Das Team entwickelt hybride Krimi-Ermittlungsspiele. Die Spieler:innen übernehmen dabei die Rolle von Agent:innen einer geheimen Organisation und lösen reale Fälle mithilfe von physischem Tatortmaterial und einem digitalen Ermittlungsportal.
Das Konzept verbindet Brettspiel, Mystery und digitale Elemente. Für den ersten Platz erhielt das Team 5.000 Euro Preisgeld. Als Mentor begleitete Frank Bärmann das Vorhaben.
2. Platz: Fairtippt aus Aachen
Fairtippt, gegründet von Thomas Schlößer, erreichte den zweiten Platz.
Das Unternehmen entwickelt Inhalte und Lösungen in Leichter und Einfacher Sprache. Das Angebot richtet sich unter anderem an Menschen mit Behinderungen, geringer Lesekompetenz, Deutsch als Fremdsprache sowie an Personen, deren Sprachverständnis beispielsweise nach einem Unfall oder Schlaganfall eingeschränkt ist.
Fairtippt verbindet digitale Barrierefreiheit mit einem wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsmodell und greift damit ein gesellschaftlich relevantes Thema auf. Der zweite Platz war mit 3.000 Euro dotiert. Mentor war André Schülke.
3. Platz: MAXAEL Systems aus Heinsberg
Den dritten Platz im Businessplan-Wettbewerb gewann MAXAEL Systems mit Sebastian Holländer.
Das Unternehmen entwickelt einen KI-Baukasten für Anbieter von Pflegesoftware. Pflegekräfte können Beobachtungen direkt in ein Endgerät sprechen. Die mehrsprachige künstliche Intelligenz erfasst den Zusammenhang und erstellt daraus strukturierte Berichte in Fachdeutsch.
Die Lösung soll Pflegekräfte bei der Dokumentation entlasten und ihnen mehr Zeit für die Betreuung von Menschen geben. Die Verarbeitung erfolgt datenschutzkonform auf deutschen Servern. MAXAEL Systems erhielt 1.000 Euro Preisgeld und wurde von Frank Bärmann begleitet.
AC² Pitch+PitchDeck
1. Platz: Lottina aus Roetgen
In der Kategorie AC² Pitch+PitchDeck ging der erste Platz an Lottina. Jan Haveneth und Anne Sophie Haveneth entwickeln eine Plattform für Freizeitangebote für Familien.
Aktivitäten und Veranstaltungen, die bisher häufig über Plakate, WhatsApp-Gruppen oder soziale Netzwerke verbreitet wurden, werden auf Lottina gebündelt. Nutzer:innen können Angebote suchen, filtern und direkt buchen.
Seit dem Start im Februar 2026 wurden bereits mehr als 10.000 Tipps für die Nordeifel und die StädteRegion Aachen auf der Plattform verfügbar gemacht. Für den ersten Platz erhielt Lottina 5.000 Euro. Mentor war Michael H. Trunkhardt.
2. Platz: Calilu Health GmbH aus Aachen
Calilu Health, gegründet von Dr. Svenja Wein, belegte den zweiten Platz.
Die digitale Lösung unterstützt Familien mit Kindern im Alter von null bis zwölf Jahren bei Gesundheitsthemen im Alltag. Zu den Funktionen gehören ein digitaler Arzneischrank, Übersichten zu Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen auf Grundlage des STIKO-Kalenders sowie ein Fieber-Tagebuch mit Dosierungs-Countdown.
Ein medizinisch geprüftes Wissens-Wiki ergänzt das Angebot. Calilu Health setzt dabei auf eine alltagsnahe, verlässliche und datenschutzkonforme Anwendung. Das Team erhielt 3.000 Euro Preisgeld und wurde von Jutta Keller begleitet.
3. Platz: Systonaut aus Aachen
Den dritten Platz erreichte Systonaut mit Malte Holch, Merit Meyknecht und Marius Lütter.
Das Team möchte verteiltes Organisationswissen in Unternehmen übersichtlicher nutzbar machen. Informationen aus Anwendungen wie Excel, Confluence oder Jira werden in einem miteinander verknüpften Modell zusammengeführt.
So sollen Zusammenhänge, Abhängigkeiten und mögliche Risiken frühzeitig sichtbar werden. Entscheidungen, die bisher häufig auf Erfahrungswerten oder Bauchgefühl beruhten, können dadurch stärker auf einer gemeinsamen Wissensgrundlage getroffen werden.
Systonaut erhielt 1.000 Euro Preisgeld. Als Mentor unterstützte Stephan Herwartz das Team.
VISIONplus rückt Unternehmerinnen in den Mittelpunkt
Ein weiterer Programmpunkt war das Gespräch mit Susanne Raulf, Gründerin von Raulf Architekten und Clay Concepts sowie Gewinnerin des VISIONplus Unternehmerinnenpreises 2024.
Sie berichtete über ihren unternehmerischen Weg und die Bedeutung von Sichtbarkeit. Dabei wurde deutlich, dass eine Auszeichnung nicht nur finanziell unterstützt, sondern auch neue Kontakte, Aufmerksamkeit und Anerkennung schaffen kann.
Der VISIONplus Unternehmerinnenpreis richtet sich an Frauen aus der Wirtschaftsregion Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg, die mit ihrem Unternehmen etwas bewegen. Die nächste Preisverleihung findet am 13. Oktober 2026 im Rahmen des „Sie führt. Vision + Summit“ statt. Bewerbungen sind bis zum 6. Juli 2026 möglich.
Inspirierende Impulse für Gründer:innen
Für einen weiteren Höhepunkt sorgte die Keynote von Fynn Mazurkiewicz, Co-Founder von IT4Kids. Sein Vortrag beschäftigte sich mit dem Mut, eine Idee tatsächlich umzusetzen, mit den Herausforderungen des Wachstums und mit der Frage, wie aus einem ersten Vorhaben ein nachhaltiges Unternehmen entstehen kann.
Auch das Team IceGreen vom Heilig-Geist-Gymnasium Würselen zeigte, dass Unternehmergeist früh entstehen kann. Theresa Mehl, Jayson Maurer und Ben Wierichs entwickelten im Rahmen des Deutschen Gründerpreises für Schülerinnen und Schüler ein biologisch abbaubares Enteisungsmittel.
Das Produkt bleibt bis minus 15 Grad Celsius wirksam und soll weder Böden noch Grundwasser schädigen. Die Juryentscheidung im Wettbewerb stand zum Zeitpunkt der Veranstaltung noch aus.7
Vom Pitch zum Unternehmen: TERNAfil als Beispiel
Vor Beginn der zweiten Preisverleihung gab Fabian Jung, Co-Founder von TERNAfil und Gewinner des AC²-Pitch+PitchDeck-Wettbewerbs 2025, Einblicke in die weitere Entwicklung seines Unternehmens.
Sein Auftritt zeigte, wie sich aus einem Wettbewerbsbeitrag ein konkretes Unternehmen entwickeln kann. Damit wurde zugleich sichtbar, welche Rolle AC² als Plattform für Feedback, Kontakte und die nächsten Schritte einer Gründung spielt.
Ein starkes Netzwerk hinter AC²
AC² wird von zahlreichen Menschen und Institutionen getragen. Mentor:innen, Berater:innen, Gutachter:innen, Jurymitglieder, Partnerorganisationen und das Team der GründerRegion Aachen begleiten die Teilnehmer:innen während des gesamten Wettbewerbs.
Sie unterstützen bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen, geben Rückmeldungen zu Präsentationen und Businessplänen und stellen Kontakte zu wichtigen Akteur:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzierung her.
Die Preisverleihung 2026 machte deutlich: Erfolgreiche Gründungen entstehen selten allein. Sie profitieren von einem Umfeld, das Wissen teilt, Mut macht und auch bei den nächsten Entwicklungsschritten an der Seite der Gründer:innen bleibt.
Fazit: Zukunftsideen aus der Region Aachen
Die AC²-Preisverleihung 2026 präsentierte eine große Bandbreite an innovativen Geschäftsmodellen. Die ausgezeichneten Teams zeigen, wie vielfältig die regionale Gründungsszene ist:
- Arcane Gossip verbindet Krimi und digitale Spielelemente.
- Fairtippt entwickelt Lösungen für mehr digitale Teilhabe.
- MAXAEL Systems reduziert Dokumentationsaufwand in der Pflege.
- Lottina erleichtert Familien die Suche nach Freizeitangeboten.
- Calilu Health unterstützt Familien bei Gesundheitsthemen.
- Systonaut macht Organisationswissen sichtbar und nutzbar.
Die Projekte stehen beispielhaft für den Ideenreichtum und die Innovationskraft der Region Aachen. Mit Beratung, Mentoring und einem starken Netzwerk schafft AC² die Voraussetzungen dafür, dass aus diesen Ideen erfolgreiche Unternehmen werden können.