Am 5. Juni 2025 feierte die GründerRegion Aachen den Abschluss der AC²-Wettbewerbsrunde 2024/2025. Im historischen Krönungssaal des Aachener Rathauses kamen mehr als 400 geladene Gäste zusammen, um die erfolgreichsten Teilnehmer:innen auszuzeichnen.
Im Mittelpunkt standen die Kategorien AC² Businessplan und AC² Pitch+Pitchdeck. Zusätzlich wurde der AC²-Innovationspreis Region Aachen an ein besonders innovatives Unternehmen aus der Wirtschaftsregion verliehen.
AC² begleitet Ideen von der ersten Skizze bis zur Marktreife
AC² steht für eine umfassende Begleitung von Gründer:innen und Unternehmen. Der Wettbewerb unterstützt Vorhaben nicht nur in der frühen Ideenphase, sondern auch bei der Entwicklung tragfähiger Geschäftsmodelle und beim weiteren Wachstum.
Dabei treffen die Teilnehmer:innen auf erfahrene Mentor:innen, Expert:innen und Berater:innen. Sie erhalten fachliches Feedback, können ihre Konzepte schärfen und wertvolle Kontakte innerhalb der regionalen Wirtschaft knüpfen.
Dass dieses Konzept Wirkung zeigt, belegt eine Evaluation aus dem Jahr 2024: Die zwischen 2018 und 2023 teilnehmenden Unternehmen schufen insgesamt 662 neue Arbeitsplätze und erzielten eine jährliche Wertschöpfung von rund 44 Millionen Euro. Die Fünfjahres-Überlebensquote lag bei 81 Prozent.
Die Preisträger:innen der AC²-Wettbewerbsrunde 2024/2025
AC² Businessplan
1. Platz: 7EX Technologies aus dem Kreis Düren
Den ersten Platz in der Kategorie Businessplan belegte 7EX Technologies. Das Gründungsteam um Andreas Kuhlmann, Marten Huck und Prof. Dr. Hans-Georg Steinrück ist aus dem Forschungszentrum Jülich hervorgegangen.
Das Unternehmen entwickelt ein elektrochemisches Verfahren, mit dem Lithium aus wässrigen Quellen gewonnen werden kann – auch aus Meerwasser. Das gewonnene Lithium kann in Form von Lithiumcarbonat unter anderem für die Batterie- und Automobilindustrie genutzt werden.
Die Technologie ist auf eine dezentrale Anwendung ausgelegt, soll energieeffizient skalierbar sein und wurde bereits zum Patent angemeldet. Mit einem geplanten Standort im Rheinischen Revier möchte das Team zudem zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beitragen.
Für den ersten Platz erhielt 7EX Technologies ein Preisgeld von 5.000 Euro. Begleitet wurde das Team von Mentorin Silke Beaucamp.
2. Platz: Osphim GmbH aus Aachen
Der zweite Platz ging an die Osphim GmbH aus Aachen. Jakob Pesch, Mauritius Schmitz, Louisa Desel und Yannik Lockner haben eine KI-gestützte Software für die Kunststoffverarbeitung entwickelt.
Die Lösung erfasst Produktionsdaten in Echtzeit und stellt sie übersichtlich dar. Dadurch können insbesondere Rüstzeiten und Ausschuss in Spritzgussbetrieben verringert werden.
Die Jury würdigte vor allem die Bedeutung der Anwendung für moderne Produktionsprozesse und die Industrie 4.0. Das Team wurde von Mentorin Havva Coskun-Dogan unterstützt und erhielt 3.000 Euro Preisgeld.
3. Platz: impact.ing aus Aachen
Den dritten Platz erreichte das Ingenieurbüro impact.ing.
Das Aachener Unternehmen plant nachhaltige Tragwerke aus Holz und Holzhybridkonstruktionen. Ökologische Kriterien werden dabei bereits in einer frühen Planungsphase berücksichtigt. Zusätzlich entwickelt impact.ing Rückbaukonzepte und nutzt digitale Planungsmethoden auf Basis von Building Information Modeling, kurz BIM.
Das Angebot richtet sich unter anderem an Architektur- und Planungsbüros sowie an gewerbliche Bauherren. Für den dritten Platz wurde ein Preisgeld von 1.000 Euro vergeben.
AC² Pitch+Pitchdeck
1. Platz: TERNAfil aus Aachen
In der Kategorie Pitch+Pitchdeck überzeugte TERNAfil mit einer Technologie für metallkeramische Hochleistungsfasern.
Das Team um Fabian Jung, Ben Vollbrecht, Dr.-Ing. Jois Kumar, Lukas Aretz und Niels Grigat entwickelte den Werkstoff MAXCarbon. Dabei werden kommerziell verfügbare Kohlenstofffasern mit speziellen MAX-Phasen-Keramiken beschichtet.
Die Fasern halten Temperaturen von mehr als 1.000 Grad Celsius stand, sind widerstandsfähig gegenüber aggressiven Umgebungen und kommen ohne seltene Erden aus. Daraus ergeben sich mögliche Anwendungen in der Energietechnik, Luftfahrt und Kommunikationstechnologie.
TERNAfil erhielt für den ersten Platz 5.000 Euro Preisgeld und wurde ebenfalls von Silke Beaucamp begleitet.
2. Platz: HappyNest aus Aachen
Der zweite Platz in dieser Kategorie ging an HappyNest und Gründer Thomas Henderikx.
Die App richtet sich an Familien in unterschiedlichen Lebenssituationen – beispielsweise an Patchworkfamilien, Eltern im Wechselmodell oder Familien mit besonders anspruchsvollen Arbeitszeiten.
Neben digitalen Organisationsfunktionen wie Kalendern, Aufgabenverteilung und Kostenübersichten bietet HappyNest auch unterstützende Elemente. Dazu zählen ein KI-gestützter Mediations-Chat und ein Mood-Tracker für Kinder.
Das Konzept zeigt, wie digitale Anwendungen Familien im Alltag entlasten und die Kommunikation verbessern können. Für den zweiten Platz gab es 3.000 Euro Preisgeld.
3. Platz: ZESTUM aus Aachen
Den dritten Platz belegte ZESTUM mit einem sensorischen Aromasystem für die Gaming-Branche.
Das Team möchte Videospiele um eine zusätzliche Sinnesebene erweitern. Eine KI-gestützte Szenenerkennung analysiert Spielinhalte in Echtzeit und steuert ein Gerät, das passende Düfte freisetzt. Je nach Spielsituation können so beispielsweise Metall-, Wald- oder andere thematisch passende Aromen entstehen.
Mit dieser Verbindung aus Software und Hardware soll ein besonders immersives Spielerlebnis geschaffen werden. ZESTUM erhielt ein Preisgeld von 1.000 Euro.
AC²-Innovationspreis geht an Membion
Der AC²-Innovationspreis Region Aachen wurde an die Membion GmbH aus Roetgen verliehen. Das Unternehmen produziert in Monschau und entwickelt kompakte Hohlfasermembran-Module für die kommunale Abwasseraufbereitung.
Die Technologie kann neben Schlammpartikeln auch Mikroplastik und Spurenstoffe aus dem Abwasser filtern. Gleichzeitig benötigt die Lösung vergleichsweise wenig Energie und Platz.
Membion erfüllt damit bereits heute Anforderungen, die für die zukünftige Abwasseraufbereitung an Bedeutung gewinnen werden. Das Unternehmen war bereits 2019 im damaligen AC²-Wettbewerb in der Kategorie Wachstum erfolgreich.
Ein starkes Netzwerk für Gründung und Innovation
Der Erfolg von AC² basiert nicht allein auf den teilnehmenden Teams. Eine wichtige Rolle spielt das ehrenamtliche Netzwerk aus erfahrenen Berater:innen, Expert:innen, Mentor:innen und Gutachter:innen.
In der Wettbewerbsrunde 2024/2025 engagierten sich:
- 110 aktive Berater:innen,
- 78 Expert:innen,
- 41 Mentor:innen,
- 56 Gutachter:innen.
Sie unterstützen die Teilnehmer:innen mit persönlicher Beratung, fachlichen Einschätzungen, Workshops, Vorträgen und individuellen Rückmeldungen. Dadurch erhalten die Gründer:innen nicht nur Unterstützung für ihre Geschäftsideen, sondern auch für ihre persönliche unternehmerische Entwicklung.
Gemeinsam für eine zukunftsfähige Wirtschaftsregion
Die AC²-Prämierungsfeier 2025 war mehr als der Abschluss eines Wettbewerbs. Sie zeigte, welches Potenzial in den Gründungsteams und Unternehmen der Region Aachen steckt.
Die ausgezeichneten Projekte stehen beispielhaft für wichtige Zukunftsthemen: nachhaltige Rohstoffgewinnung, künstliche Intelligenz, Industrie 4.0, klimafreundliches Bauen, digitale Familienunterstützung, neue Gaming-Technologien und innovative Wasseraufbereitung.
Der Finalabend machte außerdem sichtbar, was durch Zusammenarbeit möglich wird. Gründer:innen, Mentor:innen, Expert:innen, Jurymitglieder, Partner:innen und Unterstützer:innen tragen gemeinsam dazu bei, aus Ideen tragfähige Unternehmen und aus Innovationen konkrete Lösungen zu entwickeln.